{"id":"bgbl1-2022-17-11","kind":"bgbl1","year":2022,"number":17,"date":"2022-05-27T00:00:00Z","url":"https://offenegesetze.de/veroeffentlichung/bgbl1/2022/17#page=45","api_url":"https://api.offenegesetze.de/v1/veroeffentlichung/bgbl1-2022-17-11/","document_url":"https://media.offenegesetze.de/bgbl1/2022/bgbl1_2022_17.pdf#page=45","order":11,"title":"Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (zu Artikel 15 Absatz 3 sowie zu Artikel 9 Absatz 1 Satz 1, Artikel 10 Absatz 1, Artikel 12 Absatz 1, Artikel 18 Absatz 1, Artikel 19 Absatz 1, Artikel 19a Absatz 1, Artikel 25 Absatz 1 Nummer 1 2. Alternative, Artikel 25 Absatz 1 Nummer 3, Artikel 25 Absatz 1a, Artikel 25 Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 und Nummer 3, Artikel 25 Absatz 3 Satz 1 Nummer 2, Artikel 8b Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 und Artikel 8b Absatz 3 des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes)","law_date":"2022-05-09T00:00:00Z","page":789,"pdf_page":45,"num_pages":1,"content":["Bundesgesetzblatt Jahrgang 2022 Teil I Nr. 17, ausgegeben zu Bonn am 27. Mai 2022   789\nEntscheidung des Bundesverfassungsgerichts\nAus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. April 2022\n– 1 BvR 1619/17 – wird folgende Entscheidungsformel veröffentlicht:\n1. Artikel 15 Absatz 3 des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes (BayVSG)\nvom 12. Juli 2016 (Bayerisches Gesetz- und Verordnungsblatt Seite 145),\ndas zuletzt durch § 3 des Gesetzes zur Änderung des Polizeiaufgaben-\ngesetzes und weiterer Rechtsvorschriften vom 23. Juli 2021 (Bayerisches\nGesetz- und Verordnungsblatt Seite 418) geändert worden ist, verstößt\ngegen Artikel 10 Absatz 1 des Grundgesetzes und ist nichtig.\n2. Artikel 9 Absatz 1 Satz 1, Artikel 10 Absatz 1, Artikel 12 Absatz 1, Artikel 18\nAbsatz 1, Artikel 19 Absatz 1, Artikel 19a Absatz 1, Artikel 25 Absatz 1 Num-\nmer 1 2. Alternative, Artikel 25 Absatz 1 Nummer 3, Artikel 25 Absatz 1a,\nArtikel 25 Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 und Nummer 3, Artikel 25 Absatz 3\nSatz 1 Nummer 2, Artikel 8b Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 und Artikel 8b\nAbsatz 3 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz sind mit Artikel 2 Absatz 1\nin Verbindung mit Artikel 1 Absatz 1, Artikel 10 Absatz 1, Artikel 13 Absatz 1\nund 4 des Grundgesetzes nicht vereinbar.\n3. Bis zu einer Neuregelung, längstens jedoch bis zum 31. Juli 2023, gelten die\nfür mit dem Grundgesetz unvereinbar erklärten Vorschriften mit den folgen-\nden Maßgaben fort:\nMaßnahmen gemäß Artikel 9 Absatz 1 Satz 1 und gemäß Artikel 10 Ab-\nsatz 1 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz dürfen nur zur Abwehr einer\ndringenden Gefahr für den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder\neines Landes, für Leib, Leben oder Freiheit einer Person oder für Sachen,\nderen Erhaltung im besonderen öffentlichen Interesse geboten ist, ergriffen\nwerden und nur dann, wenn geeignete polizeiliche Hilfe für das bedrohte\nRechtsgut ansonsten nicht rechtzeitig erlangt werden kann. Dabei ist Arti-\nkel 8a Absatz 1 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz mit der Maßgabe der\nwiderleglichen Vermutung anzuwenden, dass Erkenntnisse, die bei einer\nWohnraumüberwachung gewonnen werden, den Kernbereich privater\nLebensgestaltung betreffen.\nAuf der Grundlage von Artikel 12 Absatz 1 Bayerisches Verfassungsschutz-\ngesetz dürfen technische Mittel nicht so eingesetzt werden, dass die Be-\nwegungen des Mobilfunkendgeräts einer beobachteten Person über einen\nlängeren Zeitraum hinweg nachverfolgt werden.\nEine Maßnahme nach Artikel 18 Absatz 1 Bayerisches Verfassungsschutz-\ngesetz oder nach Artikel 19 Absatz 1 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz\nist nach höchstens sechs Monaten zu beenden, wenn sie nicht zur Erfor-\nschung einer Bestrebung unerlässlich ist, die auf die Begehung besonders\nschwerer Straftaten gerichtet ist, welche die in § 3 Absatz 1 des Gesetzes\nüber die Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in Angelegenheiten\ndes Verfassungsschutzes und über das Bundesamt für Verfassungsschutz\n(Bundesverfassungsschutzgesetz – BVerfSchG) vom 20. Dezember 1990\n(Bundesgesetzblatt I Seite 2954), zuletzt geändert durch Artikel 1 des\nGesetzes zur Anpassung des Verfassungsschutzrechts vom 5. Juli 2021\n(Bundesgesetzblatt I Seite 2274), genannten Schutzgüter gefährden. Ist\nder Einsatz gezielt gegen bestimmte Personen gerichtet, ist Artikel 19a\nAbsatz 2 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz entsprechend anzuwenden.\nAuf der Grundlage von Artikel 19a Absatz 1 Bayerisches Verfassungsschutz-\ngesetz dürfen technische Mittel zur Anfertigung von Bildaufnahmen und\nBildaufzeichnungen und zum Abhören und Aufzeichnen des nicht öffentlich\ngesprochenen Wortes nur dann verdeckt eingesetzt werden, wenn dies zur\nErforschung einer Bestrebung unerlässlich ist, die auf die Begehung beson-\nders schwerer Straftaten gerichtet ist, welche die in § 3 Bundesverfassungs-\nschutzgesetz genannten Schutzgüter gefährden und die weiteren gesetzlich\nvorgesehenen Voraussetzungen erfüllt sind."]}