{"id":"bgbl1-2016-22-4","kind":"bgbl1","year":2016,"number":22,"date":"2016-05-09T00:00:00Z","url":"https://offenegesetze.de/veroeffentlichung/bgbl1/2016/22#page=76","api_url":"https://api.offenegesetze.de/v1/veroeffentlichung/bgbl1-2016-22-4/","document_url":"https://media.offenegesetze.de/bgbl1/2016/bgbl1_2016_22.pdf#page=76","order":4,"title":"Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (zum Bundeskriminalamtgesetz)","law_date":"2016-05-04T00:00:00Z","page":1136,"pdf_page":76,"num_pages":1,"content":["1136 Bundesgesetzblatt Jahrgang 2016 Teil I Nr. 22, ausgegeben zu Bonn am 9. Mai 2016\nEntscheidung des Bundesverfassungsgerichts\nAus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 20. April 2016\n– 1 BvR 966/09, 1 BvR 1140/09 – wird folgende Entscheidungsformel veröffent-\nlicht:\n1. § 20h Absatz 1 Nummer 1 c des Bundeskriminalamtgesetzes in der Fassung\ndes Gesetzes zur Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus\ndurch das Bundeskriminalamt vom 25. Dezember 2008 (Bundesgesetzblatt I\nSeite 3083) und in der Fassung späterer Gesetze verstößt gegen Artikel 13\nAbsatz 1 des Grundgesetzes und ist nichtig.\n2. § 20v Absatz 6 Satz 5 Bundeskriminalamtgesetz verstößt gegen Artikel 2\nAbsatz 1 in Verbindung mit Artikel 1 Absatz 1, Artikel 10 Absatz 1, Artikel 13\nAbsatz 1, jeweils in Verbindung mit Artikel 19 Absatz 4 des Grundgesetzes,\nund ist nichtig.\n3. § 14 Absatz 1 (ohne Satz 1 Nummer 2), § 20g Absatz 1 bis 3, §§ 20h,\n20j, 20k, 20l, § 20m Absatz 1, 3, § 20u Absatz 1, 2 und § 20v Absatz 4 Satz 2,\nAbsatz 5 Satz 1 bis 4 (ohne Satz 3 Nummer 2), Absatz 6 Satz 3 des Bundes-\nkriminalamtgesetzes sind nach Maßgabe der Urteilsgründe mit Artikel 2 Ab-\nsatz 1 in Verbindung mit Artikel 1 Absatz 1, Artikel 10 Absatz 1, Artikel 13\nAbsatz 1 und 3 – auch in Verbindung mit Artikel 1 Absatz 1 und Artikel 19\nAbsatz 4 Grundgesetz – nicht vereinbar.\n4. Bis zu einer Neuregelung, längstens jedoch bis zum 30. Juni 2018 gelten die\nfür mit dem Grundgesetz unvereinbar erklärten Vorschriften mit der Maßgabe\nfort, dass Maßnahmen gemäß § 20g Absatz 2 Nummern 1, 2 b, 4 und 5\nBundeskriminalamtgesetz nur durch ein Gericht angeordnet werden dürfen;\nbei Gefahr im Verzug gilt § 20g Absatz 3 Satz 2 bis 4 Bundeskriminalamt-\ngesetz entsprechend.\nMaßnahmen gemäß § 20g Absatz 1 Satz 1 Nummer 2, § 20l Absatz 1 Satz 1\nNummer 2 und § 20m Absatz 1 Nummer 2 Bundeskriminalamtgesetz dürfen\nnur angeordnet werden, wenn die Voraussetzungen des § 20k Absatz 1\nSatz 2 Bundeskriminalamtgesetz in der in den Urteilsgründen dargelegten\nverfassungskonformen Auslegung vorliegen.\nEine weitere Verwendung von Daten gemäß § 20v Absatz 4 Satz 2 Bundes-\nkriminalamtgesetz oder eine Übermittlung von Daten gemäß § 20v Absatz 5\nund § 14 Absatz 1 Bundeskriminalamtgesetz betreffend Daten aus Wohn-\nraumüberwachungen (§ 20h Bundeskriminalamtgesetz) ist nur bei Vorliegen\neiner dringenden Gefahr und betreffend Daten aus Online-Durchsuchungen\n(§ 20k Bundeskriminalamtgesetz) nur bei Vorliegen einer im Einzelfall drohen-\nden Gefahr für die jeweils maßgeblichen Rechtsgüter zulässig.\nDie vorstehende Entscheidungsformel hat gemäß § 31 Absatz 2 des Bundes-\nverfassungsgerichtsgesetzes Gesetzeskraft.\nBerlin, den 4. Mai 2016\nDer Bundesminister\nder Justiz und für Verbraucherschutz\nHeiko Maas"]}