{"id":"bgbl1-2011-26-2","kind":"bgbl1","year":2011,"number":26,"date":"2011-06-08T00:00:00Z","url":"https://offenegesetze.de/veroeffentlichung/bgbl1/2011/26#page=3","api_url":"https://api.offenegesetze.de/v1/veroeffentlichung/bgbl1-2011-26-2/","document_url":"https://media.offenegesetze.de/bgbl1/2011/bgbl1_2011_26.pdf#page=3","order":2,"title":"Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (zu den §§ 66, 66a, 66b und § 67d in Verbindung mit § 2 des Strafgesetzbuchs sowie den §§ 7 und 106 des Jugendgerichtsgesetzes)","law_date":"2011-05-30T00:00:00Z","page":1003,"pdf_page":3,"num_pages":3,"content":["Bundesgesetzblatt Jahrgang 2011 Teil I Nr. 26, ausgegeben zu Bonn am 8. Juni 2011  1003\nEntscheidung des Bundesverfassungsgerichts\nAus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 4. Mai 2011 – 2 BvR\n2365/09, 2 BvR 740/10, 2 BvR 2333/08, 2 BvR 1152/10, 2 BvR 571/10 – wird\nfolgende Entscheidungsformel veröffentlicht:\nII. 1. a) § 67d Absatz 3 Satz 1 des Strafgesetzbuchs in der Fassung des Ge-\nsetzes zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen gefährlichen\nStraftaten vom 26. Januar 1998 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 160)\n– soweit er zur Anordnung der Fortdauer der Sicherungsverwahrung\nüber zehn Jahre hinaus auch bei Verurteilten ermächtigt, deren Anlass-\ntaten vor Inkrafttreten von Artikel 1 des Gesetzes zur Bekämpfung\nvon Sexualdelikten und anderen gefährlichen Straftaten vom 26. Ja-\nnuar 1998 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 160) begangen wurden –,\n§ 66b Absatz 2 des Strafgesetzbuchs in der Fassung des Gesetzes\nzur Reform der Führungsaufsicht und zur Änderung der Vorschriften\nüber die nachträgliche Sicherungsverwahrung vom 13. April 2007\n(Bundesgesetzblatt Teil I Seite 513), § 7 Absatz 2 des Jugendgerichts-\ngesetzes in der Fassung des Gesetzes zur Einführung der nachträg-\nlichen Sicherungsverwahrung bei Verurteilungen nach Jugendstraf-\nrecht vom 8. Juli 2008 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 1212) sowie\nb) § 66 des Strafgesetzbuchs in der Fassung des Gesetzes zur Neuord-\nnung des Rechts der Sicherungsverwahrung und zu begleitenden\nRegelungen vom 22. Dezember 2010 (Bundesgesetzblatt Teil I Sei-\nte 2300), § 66 des Strafgesetzbuchs in der Fassung des Gesetzes\nzur Änderung der Vorschriften über die Straftaten gegen die sexuelle\nSelbstbestimmung und zur Änderung anderer Vorschriften vom 27. De-\nzember 2003 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 3007), § 66a des Strafge-\nsetzbuchs in der Fassung des Gesetzes zur Neuordnung des Rechts\nder Sicherungsverwahrung und zu begleitenden Regelungen vom\n22. Dezember 2010 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 2300), § 66a Ab-\nsatz 1 und Absatz 2 des Strafgesetzbuchs in der Fassung des Geset-\nzes zur Einführung der vorbehaltenen Sicherungsverwahrung vom\n21. August 2002 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 3344), § 66b des\nStrafgesetzbuchs in der Fassung des Gesetzes zur Neuordnung des\nRechts der Sicherungsverwahrung und zu begleitenden Regelungen\nvom 22. Dezember 2010 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 2300), § 66b\nAbsatz 1 des Strafgesetzbuchs in der Fassung des Gesetzes zur Re-\nform der Führungsaufsicht und zur Änderung der Vorschriften über die\nnachträgliche Sicherungsverwahrung vom 13. April 2007 (Bundesge-\nsetzblatt Teil I Seite 513), § 66b Absatz 3 des Strafgesetzbuchs in der\nFassung des Gesetzes zur Einführung der nachträglichen Sicherungs-\nverwahrung vom 23. Juli 2004 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 1838),\n§ 67d Absatz 2 Satz 1 des Strafgesetzbuchs in der Fassung des Ge-\nsetzes zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen gefährlichen\nStraftaten vom 26. Januar 1998 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 160)\n– soweit er zur Anordnung der Fortdauer der Sicherungsverwahrung\nbis zu zehn Jahren ermächtigt –, § 67d Absatz 3 Satz 1 des Strafge-\nsetzbuchs in der Fassung des Gesetzes zur Bekämpfung von Sexual-\ndelikten und anderen gefährlichen Straftaten vom 26. Januar 1998\n(Bundesgesetzblatt Teil I Seite 160), § 67d Absatz 3 Satz 1 des Straf-\ngesetzbuchs in der Fassung des Gesetzes zur Neuordnung des\nRechts der Sicherungsverwahrung und zu begleitenden Regelungen\nvom 22. Dezember 2010 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 2300), § 7\nAbsatz 3 des Jugendgerichtsgesetzes in der Fassung des Gesetzes\nzur Neuordnung des Rechts der Sicherungsverwahrung und zu beglei-\ntenden Regelungen vom 22. Dezember 2010 (Bundesgesetzblatt Teil I\nSeite 2300), § 7 Absatz 3 des Jugendgerichtsgesetzes in der Fassung\ndes Gesetzes zur Einführung der nachträglichen Sicherungsverwah-\nrung bei Verurteilungen nach Jugendstrafrecht vom 8. Juli 2008 (Bun-\ndesgesetzblatt Teil I Seite 1212), § 106 Absatz 3 Satz 2 und Satz 3,","1004 Bundesgesetzblatt Jahrgang 2011 Teil I Nr. 26, ausgegeben zu Bonn am 8. Juni 2011\nAbsatz 5 und Absatz 6 des Jugendgerichtsgesetzes in der Fassung\ndes Gesetzes zur Neuordnung des Rechts der Sicherungsverwahrung\nund zu begleitenden Regelungen vom 22. Dezember 2010 (Bundes-\ngesetzblatt Teil I Seite 2300), § 106 Absatz 3 Satz 2 und Satz 3 des\nJugendgerichtsgesetzes in der Fassung des Gesetzes zur Änderung\nder Vorschriften über die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestim-\nmung und zur Änderung anderer Vorschriften vom 27. Dezember 2003\n(Bundesgesetzblatt Teil I Seite 3007), § 106 Absatz 5 des Jugendge-\nrichtsgesetzes in der Fassung des Gesetzes zur Reform der Führungs-\naufsicht und zur Änderung der Vorschriften über die nachträgliche\nSicherungsverwahrung vom 13. April 2007 (Bundesgesetzblatt Teil I\nSeite 513) und § 106 Absatz 6 des Jugendgerichtsgesetzes in der\nFassung des Gesetzes zur Einführung der nachträglichen Sicherungs-\nverwahrung vom 23. Juli 2004 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 1838)\nsind mit Artikel 2 Absatz 2 Satz 2 in Verbindung mit Artikel 104 Absatz 1\ndes Grundgesetzes unvereinbar.\n2. § 67d Absatz 3 Satz 1 des Strafgesetzbuchs in der Fassung des Geset-\nzes zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen gefährlichen Straf-\ntaten vom 26. Januar 1998 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 160) in Verbin-\ndung mit § 2 Absatz 6 des Strafgesetzbuchs – soweit er zur Anordnung\nder Fortdauer der Sicherungsverwahrung über zehn Jahre hinaus auch\nbei Verurteilten ermächtigt, deren Anlasstaten vor Inkrafttreten von Arti-\nkel 1 des Gesetzes zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen\ngefährlichen Straftaten vom 26. Januar 1998 (Bundesgesetzblatt Teil I\nSeite 160) begangen wurden –, § 66b Absatz 2 des Strafgesetzbuchs in\nder Fassung des Gesetzes zur Reform der Führungsaufsicht und zur Än-\nderung der Vorschriften über die nachträgliche Sicherungsverwahrung\nvom 13. April 2007 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 513) und § 7 Absatz 2\ndes Jugendgerichtsgesetzes in der Fassung des Gesetzes zur Einführung\nder nachträglichen Sicherungsverwahrung bei Verurteilungen nach Ju-\ngendstrafrecht vom 8. Juli 2008 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 1212)\nsind darüber hinaus mit Artikel 2 Absatz 2 Satz 2 in Verbindung mit Ar-\ntikel 20 Absatz 3 des Grundgesetzes unvereinbar.\nIII. Gemäß § 35 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht wird ange-\nordnet:\n1. Die unter Nummer II.1. angeführten Vorschriften bleiben bis zu einer Neu-\nregelung durch den Gesetzgeber, längstens bis zum 31. Mai 2013, nach\nMaßgabe der Gründe weiter anwendbar.\n2. Die unter Nummer II.2. angeführten Vorschriften bleiben ebenfalls bis zu\neiner Neuregelung durch den Gesetzgeber, längstens bis zum 31. Mai\n2013, weiter anwendbar, jedoch nach folgender Maßgabe:\na) In den von § 67d Absatz 3 Satz 1 in Verbindung mit § 2 Absatz 6 des\nStrafgesetzbuchs erfassten Fällen, in denen die Fortdauer der Siche-\nrungsverwahrung über zehn Jahre hinaus Sicherungsverwahrte be-\ntrifft, deren Anlasstaten vor Inkrafttreten von Artikel 1 des Gesetzes\nzur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen gefährlichen Straf-\ntaten vom 26. Januar 1998 (Bundesgesetzblatt Teil I Seite 160) began-\ngen wurden, sowie in den Fällen der nachträglichen Sicherungsver-\nwahrung gemäß § 66b Absatz 2 des Strafgesetzbuchs und des § 7\nAbsatz 2 des Jugendgerichtsgesetzes dürfen die Unterbringung in der\nSicherungsverwahrung beziehungsweise ihre Fortdauer nur noch an-\ngeordnet werden, wenn eine hochgradige Gefahr schwerster Gewalt-\noder Sexualstraftaten aus konkreten Umständen in der Person oder\ndem Verhalten des Untergebrachten abzuleiten ist und dieser an einer\npsychischen Störung im Sinne von § 1 Absatz 1 Nummer 1 des\nGesetzes zur Therapierung und Unterbringung psychisch gestörter\nGewalttäter (Therapieunterbringungsgesetz – ThUG) – Artikel 5 des\nGesetzes zur Neuordnung des Rechts der Sicherungsverwahrung\nund zu begleitenden Regelungen vom 22. Dezember 2010 (Bundes-\ngesetzblatt Teil I Seite 2300) – leidet.\nb) Die zuständigen Vollstreckungsgerichte haben unverzüglich nach Ver-\nkündung dieses Urteils zu überprüfen, ob die Voraussetzungen der\nFortdauer einer Sicherungsverwahrung nach Buchstabe a) gegeben","Bundesgesetzblatt Jahrgang 2011 Teil I Nr. 26, ausgegeben zu Bonn am 8. Juni 2011 1005\nsind. Liegen die Voraussetzungen nicht vor, ordnen die Vollstreckungs-\ngerichte die Freilassung der betroffenen Sicherungsverwahrten spä-\ntestens mit Wirkung zum 31. Dezember 2011 an.\nc) Die Überprüfungsfrist für die Aussetzung oder Erledigung der Siche-\nrungsverwahrung beträgt in den Fällen des § 7 Absatz 2 des Jugend-\ngerichtsgesetzes abweichend von § 7 Absatz 4 des Jugendgerichts-\ngesetzes sechs Monate, in den übrigen Fällen des Buchstaben a) ab-\nweichend von § 67e Absatz 2 des Strafgesetzbuchs ein Jahr.\nDie vorstehende Entscheidungsformel hat gemäß § 31 Absatz 2 des Bundes-\nverfassungsgerichtsgesetzes Gesetzeskraft.\nBerlin, den 30. Mai 2011\nDie Bundesministerin der Justiz\nS . L e u t h e u s s e r- S c h n a r re n b e rg e r"]}