{"id":"bgbl1-1998-58-4","kind":"bgbl1","year":1998,"number":58,"date":"1998-08-31T00:00:00Z","url":"https://offenegesetze.de/veroeffentlichung/bgbl1/1998/58#page=17","api_url":"https://api.offenegesetze.de/v1/veroeffentlichung/bgbl1-1998-58-4/","document_url":"https://media.offenegesetze.de/bgbl1/1998/bgbl1_1998_58.pdf#page=17","order":4,"title":"Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege und von Sterilisationsentscheidungen der ehemaligen Erbgesundheitsgerichte","law_date":"1998-08-25T00:00:00Z","page":2501,"pdf_page":17,"num_pages":4,"content":["Bundesgesetzblatt Jahrgang 1998 Teil I Nr. 58, ausgegeben zu Bonn am 31. August 1998                 2501\nGesetz\nzur Aufhebung nationalsozialistischer\nUnrechtsurteile in der Strafrechtspflege und von\nSterilisationsentscheidungen der ehemaligen Erbgesundheitsgerichte\nVom 25. August 1998\nDer Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrates           in der Strafrechtspflege erlassen wurden, bleiben un-\ndas folgende Gesetz beschlossen:                              berührt.\nArtikel 1                                                        §6\nGesetz                                (1) Auf Antrag stellt die Staatsanwaltschaft fest, ob ein\nzur Aufhebung nationalsozialistischer              Urteil aufgehoben ist; hierüber erteilt sie eine Bescheini-\nUnrechtsurteile in der Strafrechtspflege            gung. Antragsberechtigt sind der Verurteilte, nach seinem\n(NS-AufhG)                           Tode seine Verwandten und Verschwägerten gerader\nLinie, seine Geschwister, der Ehegatte und der Verlobte.\n§1                              Sind alle Antragsberechtigten verstorben oder ist ihr Auf-\nenthalt unbekannt, so hat die Staatsanwaltschaft die\nDurch dieses Gesetz werden verurteilende strafgericht-     Feststellung von Amts wegen zu treffen, wenn dafür ein\nliche Entscheidungen, die unter Verstoß gegen elementa-       berechtigtes Interesse dargetan wird.\nre Gedanken der Gerechtigkeit nach dem 30. Januar 1933\nzur Durchsetzung oder Aufrechterhaltung des nationalso-          (2) Zuständig ist die Staatsanwaltschaft, die das Ver-\nzialistischen Unrechtsregimes aus politischen, militäri-      fahren eingeleitet hat, das der in § 1 genannten Entschei-\nschen, rassischen, religiösen oder weltanschaulichen          dung vorausgegangen ist. Wird am Sitz dieser Staatsan-\nGründen ergangen sind, aufgehoben. Die den Entschei-          waltschaft keine deutsche Gerichtsbarkeit ausgeübt oder\ndungen zugrunde liegenden Verfahren werden eingestellt.       läßt sich die Staatsanwaltschaft nicht bestimmen, so ist\ndie Staatsanwaltschaft zuständig, in deren Bezirk der\n§2                              Betroffene zum Zeitpunkt der Tatbegehung seinen Wohn-\nsitz hatte. Wird auch am Sitz der Staatsanwaltschaft keine\nEntscheidungen im Sinne des § 1 sind insbesondere          deutsche Gerichtsbarkeit ausgeübt oder läßt sich diese\n1. Entscheidungen des Volksgerichtshofes,                     Staatsanwaltschaft aus anderen Gründen nicht bestim-\n2. Entscheidungen der aufgrund der Verordnung über die        men, so wird die zuständige Staatsanwaltschaft durch\nEinrichtung von Standgerichten vom 15. Februar 1945       den Bundesgerichtshof bestimmt. Die Staatsanwaltschaft\n(RGBl. I S. 30) gebildeten Standgerichte,                 teilt dem Bundeszentralregister die Feststellung der\n3. Entscheidungen, die auf den in der Anlage genannten        Urteilsaufhebung mit.\ngesetzlichen Vorschriften beruhen.                           (3) Absatz 1 Satz 2 und 3, Absatz 2 gelten für Entschei-\ndungen nach § 4 sinngemäß.\n§3\n(1) Ist eine Entscheidung auf die Verletzung mehrerer                                    §7\nStrafvorschriften gestützt und liegen die Voraussetzun-\nDie Aufhebung des Urteils umfaßt auch alle Nebenstra-\ngen des § 1 Satz 1, auch in Verbindung mit § 2, nur hin-\nfen und Nebenfolgen.\nsichtlich eines Teiles der Entscheidung vor, so wird die\nEntscheidung insgesamt aufgehoben, sofern der Teil der\nEntscheidung, der die Voraussetzung des § 1 Satz 1,                                         §8\nauch in Verbindung mit § 2, erfüllt, nicht von untergeord-       Eintragungen im Bundeszentralregister über Urteile,\nneter Bedeutung ist.                                          deren Aufhebung gemäß § 6 festgestellt worden ist, sind\n(2) Erscheint nach Lage des Falles zweifelhaft, ob die     zu tilgen.\nVoraussetzungen des Absatzes 1 vorliegen, so ist die\ndem Täter günstigere Auslegung zugrunde zu legen.\nArtikel 2\n§4                                                          Gesetz\n(1) Ist die Entscheidung in Fällen des § 3 nicht vollstän-     zur Aufhebung von Sterilisationsentscheidungen\ndig aufgehoben, so wird auf Antrag der Teil der Entschei-             der ehemaligen Erbgesundheitsgerichte\ndung aufgehoben, für den die Voraussetzungen des § 1\nSatz 1, auch in Verbindung mit § 2, vorliegen.                                              §1\n(2) Über den Antrag entscheidet das Landgericht durch\n(1) Die eine Unfruchtbarmachung anordnenden und\nunanfechtbaren Beschluß.\nnoch rechtskräftigen Beschlüsse, die von den Gerichten\naufgrund des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nach-\n§5                              wuchses vom 14. Juli 1933 (RGBl. I S. 529), zuletzt geän-\nWeitergehende Vorschriften, die zur Wiedergutma-           dert durch Gesetz vom 4. Februar 1936 (RGBl. I S. 119),\nchung oder Beseitigung nationalsozialistischen Unrechts       erlassen worden sind, werden aufgehoben.","2502          Bundesgesetzblatt Jahrgang 1998 Teil I Nr. 58, ausgegeben zu Bonn am 31. August 1998\n(2) Die Aufhebung kann nicht zum Nachteil eines Dritten     nungsblatt für die Britische Zone, S. 110; BGBl. III 316\ngeltend gemacht werden.                                       –1a) tritt außer Kraft.\n§2                                                           Artikel 3\nDie Verordnung über die Wiederaufnahme von Verfah-             Dieses Gesetz tritt am Tage nach der Verkündung in\nren in Erbgesundheitssachen vom 28. Juli 1947 (Verord-        Kraft.\nDas vorstehende Gesetz wird hiermit ausgefertigt und\nwird im Bundesgesetzblatt verkündet.\nBerlin, den 25. August 1998\nDer Bundespräsident\nRoman Herzog\nDer Bundeskanzler\nDr. H e l m u t K o h l\nDer Bundesminister der Justiz\nSchmidt-Jortzig\nDer Bundesminister der Finanzen\nTheo Waigel","Bundesgesetzblatt Jahrgang 1998 Teil I Nr. 58, ausgegeben zu Bonn am 31. August 1998               2503\nAnlage\n(zu Artikel 1 § 2 Nr. 3)\n1. Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich         25. Polizeiverordnung über die Kenntlichmachung der im\nvom 24. März 1933 (RGBl. I S. 141)                         Reich befindlichen Ostarbeiter und -arbeiterinnen\nvom 19. Juni 1944 (RGBl. I S. 147)\n2. Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamten-\ntums vom 7. April 1933 (RGBl. I S. 175)                26. Folgende Vorschriften des Strafgesetzbuches für das\nDeutsche Reich vom 15. Mai 1871 in seiner am\n3. Gesetz zur Änderung von Vorschriften des Straf-\n30. Januar 1946 gültigen Fassung: §§ 2, 9, 10, 16\nrechts und des Strafverfahrens vom 24. April 1934\nAbs. 3, § 42a Nr. 5, § 42k, 80 bis 94 einschließlich,\n(RGBl. I S. 341)\n§ 102, 103, 112, 134a, 134b, 140, 140a, 140b, 141,\n4. Gesetz zum Schutz der nationalen Symbole vom               141a, 142, 143, 143a, 189 Abs. 3, § 210a, 226b, 291,\n19. Mai 1933 (RGBl. I S. 285)                              353a, 370 Nr. 3\n5. Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom           27. Gesetz über Verhängung und Vollzug der Todesstra-\n14. Juli 1933 (RGBl. I S. 479)                             fe vom 29. März 1933 (RGBl. I S. 151)\n6. Gesetz über Volksabstimmung vom 14. Juli 1933          28. Gesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens vom\n(RGBl. I S. 479)                                           13. Oktober 1933 (RGBl. I S. 723)\n7. Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat  29. Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr vom\nvom 1. Dezember 1933 (RGBl. I S. 1016)                     3. Juli 1934 (RGBl. I S. 529)\n8. Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und      30. Verordnung über das Sonderstrafrecht im Krieg und\nPartei und zum Schutz der Parteiuniformen vom              bei besonderem Einsatz (Kriegssonderstrafrechts-\n20. Dezember 1934 (RGBl. I S. 1269)                        verordnung) vom 17. August 1938 (RGBl. 1939 I\n9. Reichsflaggengesetz vom 15. September 1935                 S. 1455)\n(RGBl. I S. 1145)                                      31. Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaß-\n10. Gesetz zum Schutze des Deutschen Blutes und der            nahmen vom 1. September 1939 (RGBl. I S. 1683)\nDeutschen Ehre vom 15. September 1935 (RGBl. I         32. Verordnung gegen Volksschädlinge vom 5. Septem-\nS. 1146)                                                   ber 1939 (RGBl. I S. 1679)\n11. Reichsbürgergesetz vom 15. September 1935 (RGBl. I     33. Verordnung zur Ergänzung der Strafvorschriften zum\nS. 1146)                                                   Schutz der Wehrkraft des deutschen Volkes vom\n12. Preußisches Gesetz über die Geheime Staatspolizei          25. November 1939 (RGBl. I S. 2319)\nvom 10. Februar 1936 (G. S. 21)                        34. Verordnung zum Schutze des Reichsarbeitsdienstes\n13. Gesetz über die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936          vom 12. März 1940 (RGBl. I S. 485)\n(RGBl. I S. 993)                                       35. Verordnung zum Schutze der Metallsammlung des\n14. Verordnung gegen die Unterstützung der Tarnung             deutschen Volkes vom 29. März 1940 (RGBl. I S. 565)\njüdischer Gewerbebetriebe vom 22. April 1938 (RGBl. I  36. Verordnung über die Strafrechtspflege gegen Polen\nS. 404)                                                    und Juden in den eingegliederten Ostgebieten vom\n15. Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von            4. Dezember 1941 (RGBl. I S. 759)\nJuden vom 26. April 1938 (RGBl. I S. 414)              37. Verordnung des Führers zum Schutze der Sammlung\n16. Gesetz zur Änderung der Gewerbeordnung für das             von Wintersachen für die Front vom 23. Dezember\nDeutsche Reich vom 6. Juli 1938 (RGBl. I S. 823)           1941 (RGBl. I S. 797)\n17. Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes        38. Verordnung des Führers zum Schutze der Rüstungs-\nüber die Änderung von Familiennamen und Vorna-             wirtschaft vom 21. März 1942 (RGBl. I S. 165)\nmen vom 17. August 1938 (RGBl. I S. 1044)              39. Verordnung über den Schutz der Waffenabzeichen\n18. Verordnung über Reisepässe von Juden vom 5. Ok-            der Wehrmacht vom 3. Mai 1942 (RGBl. I S. 277)\ntober 1938 (RGBl. I S. 1342)                           40. Verordnung zur Sicherung des totalen Kriegseinsat-\n19. Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem              zes vom 25. August 1944 (RGBl. I S. 184)\ndeutschen Wirtschaftsleben vom 12. November 1938       41. Polizeiverordnung über das Betreten von Seeschiffen\n(RGBl. I S. 1580)                                          in deutschen Häfen vom 16. September 1944 (RGBl. I\n20. Polizeiverordnung über das Auftreten der Juden in          S. 223)\nder Öffentlichkeit vom 28. November 1938 (RGBl. I      42. Verordnung zur Sicherung des Fronteinsatzes vom\nS. 1676)                                                   26. Januar 1945 (RGBl. I S. 20)\n21. Verordnung über den Nachweis deutschblütiger\n43. § 1 des Gesetzes zur Änderung des Reichsstrafge-\nAbstammung vom 1. August 1940 (RGBl. I S. 1063)\nsetzbuches vom 4. September 1941 (RGBl. I S. 549)\n22. Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden\n44. Abschnitt IV der Verordnung des Reichspräsidenten\nvom 1. September 1941 (RGBl. I S. 547)\nzum Schutz des Deutschen Volkes vom 4. Februar\n23. Verordnung über die Beschäftigung von Juden vom            1933 (RGBl. I S. 35)\n3. Oktober 1941 (RGBl. I S. 675)\n45. Verordnung des Reichsministers des Innern über das\n24. Erlaß des Führers über die Rechtsstellung der              Verbot kommunistischer Demonstrationen im Frei-\nNSDAP vom 12. Dezember 1942 (RGBl. I S. 733)               staat Sachsen vom 21. Februar 1933 (RGBl. I S. 78)","2504           Bundesgesetzblatt Jahrgang 1998 Teil I Nr. 58, ausgegeben zu Bonn am 31. August 1998\n46. § 5 der Verordnung des Reichspräsidenten zum            54. Gesetz gegen Straßenraub mittels Autofallen vom\nSchutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933              22. Juni 1938 (RGBl. I S. 651)\n(RGBl. I S. 83)\n47. Verordnung des Reichspräsidenten gegen Verrat am        55. §§ 3 und 8 des Gesetzes zur Änderung des Reichs-\nDeutschen Volke und hochverräterische Umtriebe              strafgesetzbuches vom 4. September 1941 (RGBl. I\nvom 28. Februar 1933 (RGBl. I S. 85)                        S. 549)\n48. Verordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr             56. Polizeiverordnung über das Photographieren und\nheimtückischer Angriffe gegen die Regierung der             sonstige Darstellen verkehrswichtiger Anlagen vom\nnationalen Erhebung vom 21. März 1933 (RGBl. I              29. März 1942 (RGBl. I S. 156)\nS. 135)\n49. Verordnung des Reichspräsidenten über die               57. Verordnung zur Erweiterung und Verschärfung des\nGewährung von Straffreiheit vom 21. März 1933               strafrechtlichen Schutzes gegen Amtsanmaßung\n(RGBl. I S. 134)                                            vom 9. April 1942 (RGBl. I S. 174)\n50. Gesetz zur Abwehr politischer Straftaten vom 4. April   58. Verordnung des Führers zum Schutz der Sammlung\n1933 (RGBl. I S. 162)                                       von Kleidung und Ausrüstungsgegenständen für\n51. § 1 des Gesetzes über die Gewährung von Straffrei-          die Wehrmacht und den Deutschen Volkssturm vom\nheit vom 23. April 1936 (RGBl. I S. 378)                    10. Januar 1945 (RGBl. I S. 5)\n52. Gesetz gegen Wirtschaftssabotage vom 1. Dezember        59. Volkssturmstrafrechtsverordnung    (VOSTVO)   vom\n1936 (RGBl. I S. 999)                                       24. Februar 1945 (RGBl. I S. 34)\n53. Gesetz zum Schutze von Bezeichnungen der Natio-\nnalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vom         einschließlich aller zusätzlichen Durchführungsbestim-\n7. April 1937 (RGBl. I S. 442)                          mungen, Verordnungen und Erlasse."]}